"Hidefotografie"
Wenn man Naturfotografie halbwegs ernsthaft betreiben will komt man über kurz oder lang um die Fotografie aus Fotoverstecken heraus nicht herum. Zwar gibt es auch noch die Methode quasi auf der Pirsch zu fotografieren was aber ungleich schwieriger und aus meiner Sicht weniger erfolgsversprechend ist als aus dem Ansitz heraus zum "Schuss" zu kommen. Ich vergleiche hier gerne mit der Jägerei, die Kollegen der grünen Zunft sitzen ja auch in ihren Tarnverstecken, dort ist es halt der Hochsitz.
Nach eingeschränktem Erfolg im Garten an der Fütterung unsere Singvögel abzulichten haben wir uns dazu entschieden hier mal aus einem Ansitz, einem Tarnzelt heraus zu versuchen unsere Motive festzuhalten. Damit sich die Vögel an das Gebilde gewöhnen konnten musste das Zelt natürlich stehen bleiben. Somit war das Tarnzelt permanent Wind und Wetter ausgesetzt was der dünnen Zelthaut irgendwann den Garaus machte.
Wir entschlossen uns deshalb eine feste Hütte zu bauen

"Die Ansitzhütte im Garten"
Nach einiger Zeit der Planung starteten wir mit dem Bau der Hütte. Es war Ende Februar 2012 und es war recht kalt, Wir entschlossen uns quasi den Rohbau in einem leerstehenden Zimmer im Erdgeschoß zu erstellen und zwar so dass die Hütte in ihre Wände wieder zerlegt werden konnte. Danach wollten wir die Wände in den Garten transportieren und dort wieder zusammensetzen. Es war gut, dass der Boden nicht durchgefroren war, so dass wir die Pfähle für den Unterbau problemlos einschlagen konnten.
Am 01.03. und 02.03. war es dann so weit, die Hütte zog nach draußen. Ganz so einfach wie ursprünglich gedacht war der "Wiederaufbau" dann doch nicht, so dass wir die geplante Zeit von 2 Tagen doch voll gebraucht haben.
Bereits am Vortag haben wir die Wandelemente in den Garten transportiert und unter Licht des Arbeitsscheinwerfers weitere Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen. In der folgenden Bilderstrecke könnt Ihr den Bau genauer verfolgen.

Unterwegs
Zu Hause, vor der Haustür hatten wir jetzt unseren Comfort Beobachtungsposten, immer im Trockenen, mit kleiner Elektroheizung und auch WLAN ist vorhanden und wir genießen die Hütte so oft wie möglich. Allerdings, wollen wir natürlich auch wenn wir unterwegs sind unserem Hobby nachgehen und hier gehört Tarnung genauso zum Muss wie zu Hause.
Die Hütte mitnehmen ist kein guter Gedanke, aber das Tarnzelt das im Garten von der Hütte abgelöst wurde ist hierfür durchweg brauchbar. Allerdings ist das Tarnzelt mit seinen 5kg Gewicht und seiner recht sperrigen Verpackungsform auch eine Herausforderung für den Transport.
Deshalb haben wir uns auch noch um ein Tarnnetz und Tarnumhang usw. gekümmert. Sehr gute Erfahrungen haben wir hier z.B. beim Wiedehopf im Apfelbaum in Ungarn gemacht.
Die einfachste Möglichkeit ist die Gegebenheiten der Natur zu nutzen. Gut gelungen ist uns dies z.B. zwischen den Weinreben am Kaiserstuhl bei der Fotografie von Wiedehopf, Schwarzkehlchen etc. am Kaiserstuhl
Beginnen wir mit dem Tarnzelt
Das Tarnnetz, vor einem dunklen Hintergrund eingesetzt bietet einen guten Sichtschutz der die Konturen der Fotografen gut auflöst. Ist das Objektiv dann auch noch getarnt und nicht gerade blitzend weiß sollte es los gehen können
Ja, ich habe bereits oben über Tarnhaube und Tarnumhang erzählt, wir haben das zu Hause liegen, aber, da liegt es dann halt auch. Ein einziges Mal habe ich das bisher beim Haubentaucher eingesetzt und ich denke der hat sich vor dem Busch mehr erschlocken als von mir in ungetarntem Zustand. Ich denke, hier ist es am Besten die natürliche Deckung zu nutzen, die Vegetation im Umfeld mit in die Aktion einzubeziehen.
Man muss sich nicht immer verstecken, sondern einfach versuchen mit der Umgebung zu verschmelzen. Natürlich gehört auch eine ruhige Verhaltensweise mit zu Erfolg. Zum "Verschmelzen" kann auch gut ein Gebäude dienen wie in den Bildern das Kranorama in Günz. Das zweite und dritte Bild ist am Kaiserstunhl entstanden. Wir haben uns gemüht halbwegs Deckung zu finden, bis wir dann gemerkt haben dass "unser" Wendehals in einem Baum auf einem Parkplatz brüten an dem in Viertelstundentakt 20 Tonner Lastwägen vorbeigerauscht sind, aber egal, ein bisschen Tarnung hatten wir ja.
Absolut nicht vergessen möchte ich das Auto. Die Tiere sind Autos gewohnt und wissen dass von ihnen keine Gefahr ausgeht, zumindest wir daraus im Normalfall nicht geschossen. Wenn nun ein, dazu noch unauffälliger, Mensch im Fahrzeug sitzt wird das oft akzeptiert. Kritische Momente habe ich bisher erlebt wenn wir angehalten haben, das Fenster geöffnet haben und dann das Tele raus gesteckt haben. Das kann (muss nicht) zur Fluchtreaktion führen. Besser ist es sich mit dem Auto bereits in Fotostellung vorbereitet langsam rollend zu nähern, dann zu stoppen und etwas abzuwarten, keinesfalls hektische Bewegungen. Das Radio sollte auch nicht eingeschaltet sein.
Organisierte Fotoreisen
Wir haben bisher an 2 "organisierten" Fotoreisen teilgenommen. Das bedeutet dass ein "Veranstalter" unterschiedliche Locations anbietet an denen verschiedene Tiere fotografiert werden können. Meist sind die Tiere angefüttert bzw. durch die Schaffung von Nistplätzen an die Plätze gewohnt. Ich zeige hier nur die Gegebenheiten, Fotos die dort entstanden sind findet ihr in der Galerie unter "Ungarn"
Es ist angerichtet. Wir waren hier in der Oriole Lodge bei Istvan der hier unterschiedliche Fotoverstecke die mehr oder weniger fest installiert sind anbietet. Das beginnt bei einfachen Tarnzelten die leider manchmal verschlissen sind und auch, wenn es nicht anders geht wie z.B. bei der Beutelmeise mitten im Sumpf stehen in dem man dann auch sitzt und geht weiter über einfache Hütten aus Strohmatten über gezimmerte Hütten bei denen man dann hinter Glasscheiben (Achtung: Die Scheiben müssen!! sauber sein, schlucken aber trotzdem ca. 2 Blenden Licht) sitzt bis hin zu Towern die den Fotografen auf Augenhöhe zu den Falkennistkästen bringen. Auch hier gilt das gerade über die Glasscheiben Gesagte.
High End in Bences Farm. Bence Mate bietet hier Verstecke an, die genial gestaltet sind. Bence baut bei jedem Versteck eine "Gesamtanlage". Hier wird auch der Hintergrund in die Versteckplanung mit einbezogen, in jedem!! Versteck ist der Fotograf hinter einen Scheibe aus Spezialglas (Stopsol). Dieses Glas hat hervorragende optische Eigenschaften und schluckt auch nur 1 Blende Licht. Auch die einfachen Fotohütten sind damit ausgestattet. Die absolute Krönung aber sind seine beiden Anlagen für Schreit- und Wasservögel, das Theatre und das Cinema (hier kann man auch den Fischotter antreffen). Hierin sind auf massiven Stahlarmen bereits Stativköpfe (Flexshooter) für je 2 Kameras pro Fotografen montiert. In jedem dieser Verstecke finden max. 3 Fotografen Platz. Die Verstecke sind mit Belüftung, Fußbodenheizung und Schlafmöglichkeiten ausgestattet. Im Theatre gibt es auch die Möglichkeit über mehrere Tage zu bleiben, Kaffeemaschine, Mikrowelle Kühlshrank gehören hier zur Standardausstattung. Der erste Blick aus diesen Verstecken gerät zu einem Erlebnis welches man so schnell nicht vergisst.



















































